Rheinische Post vom 22. Februar 2007

DÜSSELDORF/KLEVE Sabine Janssens Liste ist lang. Zehn Namen umfasst sie derzeit, alles Eltern, die eine Tagesmutter für ihr Kleinkind suchen.“In einem ländlichen Raum wie Kleve gibt es kaum Kinderkrippenplätze. Da sind sie auf Tagesmütter angewiesen.“, sagt die Gründerin des Vereins Kindertagespflege Kleve-Emmerich. Selbst wenn sie für eine Tagesmutter tief in die Tasche greifen müsse – der Wunsch (oder die Notwendigkeit), Kind und Beruf miteinander zu verbinden wiegt schwerer.
„Tendenz steigend“, sagt Martina Kersting vom ipunkt Familie in Düsseldorf über die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren. Selbst eine Stadt wie Düsseldorf mit einem guten Angebot an Tageseinrichtungen muss viele Eltern vertrösten.

Jun-Ho Park und seine Frau haben Glück gehabt. Sie haben für ihren Sohn Ji-Hun, der gerade drei Jahre alt geworden ist, schon vor einm Jahr einen Platz in der privaten Kindertagesstätte Froschkönig an der Marienstrasse in der Düsseldorfer Innenstadt gefunden.

„Es war uns wichtig, dass er zweisprachig aufwächst“, erklärt Jun-Ho Park. Drei bis vier Monate hätten er und seine Frau intensiv gesucht, dann endlich den Platz für ihren Sohn gefunden. Besonders praktisch: Froschkönig schließt erst um 18 Uhr. Obwohl es schon spät ist, scheint es Ji-Hun nicht besonders eilig zu haben. Er wirft sich auf die Knie und rutscht über den Parkett, wühlt danach mit der kleinen Floriane in einer Bücherkiste. Heike Hörstmann, die Mutter von Floriane, hat die Suche gar nicht erst begonnen. Als ihre Tochter acht Monate alt war, hat sie ein Tagesmutter engagiert. Eine zu finden, sei kein Problem gewesen, allerdings sei eine Tagesmutter teuer. „Es geht Frauen nicht immer darum, sich im Job zu verwirklichen“; sagt sie. „Manchmal ist es finanziell einfach notwendig, dass beide Partner eine Stelle haben.“ Um wieder als Mediaplanerin arbeiten zu können, hat sie Floriane schließlich beim Froschkönig angemeldet – doch vor fünf Monaten kam Helen. Jetzt hat Heike Hörstmann beschlossen, eine Jobpause einzulegen. Dennoch findet sie es wichtig, dass jede Mutter ihr Konzept verwirklichen kann. Egal, ob sie 40 Stunden arbeitet, zehn Stunden, oder zu Hause bleibt. Das deutsche System findet sie ziemlich konservativ.

„In Frankreich ist die Betreuung flächendeckend“, klagt Kerstin Breuer.Sie, Stefanie Kemp und Sabine Olbing haben teilweise extrem lange nach einem Platz suchen müssen. Inzwischen sind ihre Kinder älter als drei Jahre und alle in der Kindertagesstätte in Kaiserswerth untergekommen. Bald wird die Kita eine zweite Dependance eröffnen, in der auch Kinder unter drei Jahren betreut werden. Die elf plätze waren rasend schnell weg. „80 Kinder stehen auf der Warteliste“, sagt Gabriele Walden von der Kita Kaiserswerth.

Dabei ist die Chance, sein Kind in Düsseldorf in einer Kita oder in der Tagespflege unterzubringen noch groß. Die Versorgungsquote liegt bei 13 Prozent (1816 Plätze). Zum Vergleich: NRW bringt es gerade auf 2,8 Prozent und bildet damit das Schlusslicht. Auf dem Land potenziert sich das Problem. Ulrike Janssen aus Kleve wollte nach der Geburt von Tochter Charlotte (fast 2) wieder zurück in ihren Beruf als Krankenschwester auf der Intensivstation. Für sie war eine Tagesmutter die perfekte Lösung, auch wegen der flexiblen Zeiten.“ Von jetzt auf gleich ging das jedoch nicht. Ich habe mich ein halbes Jahr vorher um eine Betreuung bemüht“, sagt die 36-Jährige. Seit gut einem halben Jahr ist die Tochter nun zweimal in der Woche in professionellen Händen. Und die Mutter sehr zufrieden.

Am Ende profitieren oft beide Seiten, Eltern und Kinder. „Ein gutes Gefühl für die Eltern erlaubt hohe Konzentration im Beruf“, sagt Ingrid Pickel, Leiterin des Evangelischen Kindergartenbüros in Düsseldorf. Die Wege und Methoden, dieses gute Gefühl zu erzeugen, seien zwar unterschiedlich, aber unverzichtbar. Schon alleine, sagt Sabine Janssen, vom Kindertagespflege-Verein, weil jede Warteliste zeige, dass da Eltern seien, die arbeiten möchten, aber nicht können, weil sie keine Betreuung für ihren Sprössling finden. Und welchen Vorteil haben die Kinder? „Als Tagesmutter hat man die Zeit für die Kinder, die Eltern nicht haben. Und wenn man sich intensiv um die Kleinen kümmert, haben sie auch nicht das Gefühl abgeschoben zu werden. Im Gegenteil: Von kompetenter Hilfe profitieren sie ihr gesamtes Leben.“

 

Rheinische Post vom 9. September 2005

Der "Froschkönig wächst"

Unter der Leitung von Celine Gelin ist der »Froschkönig« auch an der Lindemannstraße zu finden. Auf zwei Etagen, mit 150 Quadratmetern Gesamtfläche, können sich die Zwei- bis Vierjährigen rundum wohlfühlen. Helle und offene Räume bieten gute Spielbedingungen. Ein großer Garten mit Schaukel und Rutsche lädt zum Austoben ein. Gelin begeistert: »Der Blick ins Grüne ist umwerfend.« Beliebte Ausflugsziele wie der Zoopark oder der Wasserspielplatz sind in unmittelbarer Nähe.

Die neue Kita ist nach dem selben Prinzip wie die bereits 2004 gegründete aufgebaut. Dieselben Farben, Möbel, dasselbe Programm – gemeinsam frühstücken, turnen und tanzen. Der Tag ist genau strukturiert. »Kinder brauchen feste Spiel-, Lern- und Ruhezeiten«, erklärt die Leiterin der Kita. Auf familiäre Atmosphäre und Intimität wird dort großer Wert gelegt. Jede Kita betreut maximal 20 Kinder.

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